Chronische Krankheiten schleichen sich langsam an

Dr. Kristina Jacoby
27 Mar 2026

Eine Insulinresistenz ist problematisch, weil Körperzellennicht mehr angemessen auf Insulin reagieren. Sie werden so etwas wieschwerhörig. Die Bauchspeicheldrüse produziert daraufhin mehr Insulin, damit esendlich Gehör bekommt. Wie viele Menschen in Europabetroffen sind, lässt sich nicht sagen, da groß angelegte Studien fehlen. Alsich anfing Blutbilder zu analysieren, war ich erschrocken wie häufig ichAnzeichen einer Insulinresistenz gesehen habe, selbst bei normalgewichtigen,sportlich aktiven Menschen.

Der Quotient aus zwei Blutfettwerten

Solange der Nüchtern-Blutzucker in Ordnung ist, misstnormalerweise kaum ein Arzt zusätzlich den Nüchtern-Insulinspiegel, weil dieserst bei Auffälligkeiten vorgesehen ist. Deshalb sucht die Forschung seitJahren nach einfacheren und kostengünstigen Ersatzmarkern.

Einer davon ist der TG/HDL-Quotient, wie man ihn auf meinerWebseite durchführen kann. Ein systematisches Review aus dem Jahr 2024, das 32Studien mit fast 50.000 Teilnehmern auswertete, kam zu dem Ergebnis, dassdieser Quotient eine gute Korrelation mit dem HOMA-IR zeigt, demgebräuchlichsten indirekten Maß für Insulinresistenz. Der Quotient misst dieInsulinresistenz nicht direkt, aber er spiegelt die zugrunde liegenden Veränderungenwider, die mit ihr einhergehen. Denn bei Bewegungsmangel, psychischem Stress,dem Verzehr von zu vielen Fertiggerichten, Süßigkeiten, Knabbereien und Alkoholsteigt vor allem der Triglyceridspiegel und der HDL-Spiegel sinkt. Das Ergebnisdes Reviews legt nahe, dass Werte über 2,5 bei Frauen und über 2,8 bei Männernauf eine Insulinresistenz hinweisen. Dr. Ben Bikman, einer der führendenWissenschaftler im Feld der Insulinresistenz hält Werte zwischen 0,5 und 1,5als ideal für eine langanhaltende Gesundheit. Wichtig ist, dass dieBlutuntersuchung der Triglyceride morgens nüchtern, d. h. nach mindestens12-stündiger Nahrungskarenz, erfolgt. Vor der Untersuchung sollten Tee undKaffee nur ohne Milch getrunken werden.

Was Insulinresistenz im Körper anrichtet

Eine Insulinresistenz bleibt selten folgenlos. Dauerhafterhöhte Insulinspiegel fördern Entzündungsprozesse, begünstigen die Einlagerungvon Viszeralfett (das ist das Fett, welches sich um die inneren Organe schmiegtund entzündungsfördernde Stoffe produziert) und treiben die Entstehung kleiner,dichter LDL-Partikel voran, die leichter in Gefäßwände eindringen. So erhöhtsich auch das Risiko für Arteriosklerose, koronare Herzerkrankung,Schlaganfall, nicht-alkoholische Fettleber und Niereninsuffizienz. Forschungsarbeitenbelegen auch eine Verbindung zur Entstehung bestimmter Krebsarten und zurkognitiven Verschlechterung im Alter. Das alles entwickelt sich über Jahre, oftJahrzehnte, bevor eine Diagnose gestellt wird.

Wenn der Wert zu niedrig ist

Werte zwischen 0,5 und 1,5 gelten als günstig. Hier istInsulinempfindlichkeit in der Regel gut. Ein immer niedrigerer Wert ist aber nichtautomatisch besser! Unterhalb von etwa 0,5 kehrt sich das Bild um, wenn erdurch zu niedrige Triglyceride zustande kommt. Dann fehlt dem Körper Energie,und er gerät in Stress. In Laborbefunden wird das fast nie markiert, weil es soselten vorkommt. Fast alle Menschen haben zu hohe Werte, nicht zu niedrige.Aber wenn der Triglycerid-Wert dauerhaft unter 0,45 mmol/l bzw. 40 mg/dL liegt,kann das ein Hinweis auf eine unzureichende Nahrungsaufnahme, eineSchilddrüsenüberfunktion oder ein anderes Problem sein.

Ein Leben lang nachrechnen

Der Quotient aus Triglyceriden kann ein lebenslangerBegleiter sein. Halte ihn möglichst zwischen 0,5 und 1,5, durch Bewegung,Erholung, durch eine Ernährung, die größtenteils aus selbst zubereitetenSpeisen mit vielen proteinhaltigen und weniger kohlenhydrathaltigenLebensmitteln besteht.

 

Quelle: Baneu P, Văcărescu C, Drăgan SR, et al. The Triglyceride/HDL Ratio as aSurrogate Biomarker for Insulin Resistance. Biomedicines.2024;12(7):1493. Published 2024 Jul 5. doi:10.3390/biomedicines12071493